Ablauf Zertifizierung

 

Kooperierende onkologische Organzentren

Als kooperierendes Organkrebszentrum (z.B. für Brust, Darm) wird ein Verbund von mehreren (Klinik-) Standorten zu einem Zentrum bezeichnet, an denen die organspezifische onkologische Kernversorgung für Patienten entsprechend den Fachlichen Anforderungen angeboten wird. Die Kernversorgung umfasst insbe-sondere die diagnostische Therapie (Sprechstunde), die operative Therapie und die stationäre Versorgung.

Partnerschaft statt Kooperation

Die Etablierung von kooperativen Zentren wird von den Beteiligten vielfach hinsichtlich des Aufwandes und der gestellten Anforderungen unterschätzt. Grundsätzlich sollten Kooperationen eine Ausnahme darstellen, insbesondere wenn die beteiligten Kliniken unterschiedliche Träger aufweisen. Allgemein gilt, dass eine Zusammenarbeit (z.B. gemeinsame Tumorkonferenz) zwischen Zentren auch möglich ist, ohne dass eine Kooperation eingegangen wird.

 

Anforderungen an kooperierende Organkrebszentren

Ziel eines kooperierenden Organkrebszentrums ist eine vergleichbare Patientenversorgung hinsichtlich Art und Qualität. Dies bedeutet, dass ein Patient unabhängig davon, welchem (Klinik-) Standort er sich anvertraut, diese vergleichbare Versorgung erwarten kann. Ein kooperierender Standort hat somit auch die Erfüllung der zugrunde liegenden Zertifizierungsanforderungen im vollen Umfang nachzuweisen.

 

Zeitgleiche Erstzertifizierungen mehrerer Standorte

Die zeitgleiche Erstzertifizierung von mehreren Standorten ist zu vermeiden. Bei kooperierenden Standorten wird in der Regel ein bereits erfolgreich zertifiziertes Zentrum um einen weiteren Standort erweitert. Eine zeitgleiche Erstzertifizierung ist nur bei besonders positiven strukturellen Voraussetzungen (u.a. identischer Träger) möglich.

 

Strukturanforderungen

Für die strukturelle Gestaltung von Organkrebszentren sind unter "Basisinformation Zertifizierung" wichtige Hinweise sowie strukturelle Anforderungen enthalten. Dieses Dokument „Basisinformation Zertifizierung“ ist bei der Planung eines Organkrebszentrums zu einem frühst möglichen Zeitpunkt eingehend zu analysieren und hat für kooperierende Standorte eine besondere Bedeutung. Die Einbindung von OnkoZert bei den Planungen eines kooperierenden Zentrums hat ebenfalls sehr früh zu erfolgen. Es sollte unbedingt verhindert werden, dass zu einem Zeitpunkt, an dem sehr viele Vorarbeiten bereits geleistet worden sind, die Struktur des kooperierenden Zentrums grundsätzlich in Frage gestellt werden muss.

 

Strukturbewertung

Jede Kooperation bedarf einer schriftlichen Strukturbewertung, die über die Zulassung der Kooperation entscheidet (gebührenpflichtig). Die Strukturbewertung ist ein aufwendiges und zeitintensives Verfahren, bei dem strukturelle und sonstige zentrale Zertifizierungsanforderungen intensiv analysiert und bewertet werden. Für die Strukturbewertung gibt es spezielle Vorlagen, die bei OnkoZert direkt anzufragen sind.

 

Richtlinien zur Strukturbewertung

Die von OnkoZert bzw. durch den Ausschuss Zertifikatserteilung durchgeführten Strukturbewertungen werden u.a. anhand der nachfolgend dargestellten Richtlinien vorgenommen. Diese Richtlinien stellen nicht in jedem Fall ein Ausschlusskriterium für die Zulassung zum Zertifizierungsverfahren dar. In begründeten Ausnahmefällen kann der Ausschuss Zertifikatserteilung eine Sonderzulassung ggf. in Verbindung mit bestimmten Auflagen aussprechen.

 

Träger

Ein gemeinsamer Träger bei den kooperierenden Standorten ist von Vorteil.

Entfernung

Die Entfernung der Standorte zum Hauptstandort sollte nicht über 45 km betragen bzw. max. eine Fahrtzeit von 45 min aufweisen (Berechnung über map24.de – schnellste Route).

Anzahl kooperierender Standorte

Jeder zusätzliche Standort erhöht die Anforderungen und die Aufwände an einer Zusammenarbeit. Ausnahmen können Standorte sein, die unter einem Träger stehen und von einer medizinischen Leitung disziplinarisch geführt werden.

2 Standorte
Hat sich in einigen Fällen als sinnvolle und nutzbringende Struktur für alle Beteiligten erwiesen.

3 Standorte
Kann sich als schwierig erweisen und sollte sofern möglich, nicht als bevorzugte Variante genommen werden. Sofern bestimmte Aspekte berücksichtigt werden, ist dieses Modell jedoch von Vorteil.

4 Standorte
Erfordern an die Koordination extreme Ansprüche und wird daher allgemein nicht empfohlen.

Über 4 Standorte
Ein kooperierendes Zentrum mit mehr als 4 Standorten wird aufgrund der aktuellen Erfahrungen als extrem kritisch erachtet und absolut nicht empfohlen.

Anzahl Primärfälle

Brustkrebszentren

In der Sitzung der Zertifizierungskommission vom 30.10.2008 wurden die Anforderungen an kooperierende Brustkrebszentren mit mehreren operativen Standorten neu definiert. Die Inkraftsetzung dieser Änderungen erfolgte am 05.01.2009. Demnach sind Kooperationen aus mehr als 2 operativen Standorten zukünftig nicht mehr möglich. Erstzertifizierungen/Erweiterungen zu einem kooperierenden Zentrum sind nur möglich, wenn jeder Standort > 100 Primärfälle nachweist. Bestehende Kooperationen haben Bestandsschutz, sofern pro Standort min. 50 Primärfälle und pro Zentrum min. 150 Fälle nachgewiesen werden. Zusätzliche Voraussetzungen sind der Nachweis eines pos. Zertifizierungsergebnis, die strikte Einhaltung von Q-Standards, gemeinsame Behandlungsschemata und eine erprobte operative Vertretungsregelung. Die Anforderungen sind im Erhebungsbogen unter 4.2 beschrieben.

 

Darmkrebszentrum

Jeder Standort eines kooperierenden Zentrums hat die Anzahl von 50 Primärfällen (30 Kolon und 20 Rektum) eigenständig nachzuweisen.

Art des QM-Systems

Unterschiedliche Arten von QM-Systemen an den Standorten sind von Nachteil (z.B. 2 Standorte KTQ und ein Standort ISO 9001). Besteht das kooperierende Zentrum aus mehr als 2 Standorten empfiehlt sich ein standortübergreifendes QM-System, in dem die Zusammenarbeit unter den Standorten geregelt und gesteuert wird.

Kooperationspartner

Je mehr Kooperationspartner in das Zentrum integriert sind, desto schwerer ist die Abstimmung innerhalb des Zentrums und unter den Kooperationspartner einer Fachrichtung.


 

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